SZ 18.01.2026
10:50 Uhr

(+) Winterklausur der Grünen: CSU, Kirche – als nächstes die Gebirgsschützen?


Die Grünen setzen ihre Reise durch das bayerische Inventar fort. Zuletzt hatten sie bei ihren Veranstaltungen öfter Gäste aus CSU-Reihen. Nun versuchen sie es noch einmal eine Etage höher, bei der katholischen Kirche. Was dahinter steckt.

(+) Winterklausur der Grünen: CSU, Kirche – als nächstes die Gebirgsschützen?

Das war im Spätsommer schon eine kuriose Schlagzeile, ein Hingucker in der Landespolitik: Der frühere CSU-Vorsitzende Erwin Huber geht zu den Grünen! Nun gut, der Politrentner, einst Staatsminister und CSU-Generalsekretär, wechselte nicht die Partei. Aber er besuchte die Landtags-Grünen, kam auf deren Einladung zur Klausur und diskutierte in einem Passauer Wirtshaus mit Katharina Schulze über die Weltläufte. Zu denen zählte Huber die „Gemeinsamkeit der Demokraten“ und brachte eine in den Ohren von Ministerpräsident und Grünen-Fresser Markus Söder wohl unerhörte These auf: Die CSU könnte irgendwann noch froh sein, starke Grüne als potenziellen Koalitionspartner zu haben.

Kurz darauf kam dann der frühere CSU-Ministerpräsident Günther Beckstein zu den Grünen; und debattierte auf deren Podium mit Fraktionschefin Schulze über kommunale Bürgerentscheide. CSU-Granden bei den Grünen, ein Trend? Das fragten sich viele prompt.

Diese Woche hält die Grünen-Fraktion nun ihre Winterklausur ab, und man stellt mit Blick auf die Gästeliste fest: offenbar nicht. Dafür drängt sich der Eindruck auf: Die CSU haben die Grünen durch, jetzt gehen sie gleich eine Etage höher in der Hierarchie des Freistaats: Zu einem Podium am Münchner Nockherberg – Thema: Zusammenhalt der Gesellschaft – wird Kardinal Reinhard Marx erwartet. CSU, Kirche, was mag da als Nächstes kommen bei grünen Klausuren? Eine Abordnung der bayerischen Gebirgsschützen in voller Montur?

Das alles ist auch mit der Anti-Grünen-Stimmung zu erklären, die im Landtagswahlkampf 2023 durchs Land waberte und einen Höhepunkt darin fand, dass Söder den Grünen das „Bayern-Gen“ abgesprochen hatte. Das sitzt immer noch tief, Grünen-Politiker erzählen einem das öfter, manche in breitem Dialekt. Ein Kampf gegen solche Zerrbilder, breitere Anschlussfähigkeit an grüne Ideen – das gilt in Parteikreisen als langfristiges Ziel. Zur Landtagswahl 2028 will man sich jedenfalls nicht noch mal von der Konkurrenz als Outsider in Bayern und Bürgerschreck brandmarken lassen.

Im jüngsten BR-„Bayerntrend“ stehen die Grünen recht stabil bei 13 Prozent. Längst haben sie in der Partei erkannt, dass dauerhaft eine Regierungsperspektive nur als Juniorpartner der CSU möglich sein wird. Zuletzt kam der Begriff „Service-Opposition“ auf. Die Taktik lautet wohl: sich anbieten, ohne sich anzubiedern. Gleichwohl, Anzeichen in der Staatskanzlei oder der CSU-Landesleitung, die ausgestreckte Hand auch nur wahrzunehmen, gibt es bislang keine.

Schwerpunkt der Grünen-Klausur – nach dem Podium zum Auftakt mit Kardinal Marx, auch der frühere Skifahrer Christian Neureuther ist dabei  – wird übrigens das Thema Essen sein. Und da zumindest wollen sie es ganz anders machen als Söder. Angekündigt sind nicht Grillplatten-Fotos für Instagram, sondern Vorschläge für eine funktionierende, bezahlbare und regionale Lebensmittelversorgung.

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